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Heidnischer Imperialismus ↩

Heidnischer Imperialismus in Deutschland?

Der Durchbruch des Nationalsozialismus hat das Ringen um ein neues Geschichtsbild nicht zu einem Abschluß gebracht, sondern noch gesteigert. Es wird im besonderen die Aufgabe unserer Zeit sein, eine Geschichtsphilosophie zu begründen, in der vor allem die Rassenfrage eine maßgebliche Bedeutung hat. Angesichts dieser Aufgabe hat das vorliegende Buch einen besonderen Wert, weil hier ein anerkannter Führer des faschistischen Italien zur Rassenfrage, Kulturpolitik und Geschichtsphilophie Stellung nimmt und hier heidnischer, römischer Geist zum erstenmal mit einem geschichtsphilosophischen Deutungsanspruch an unsere Gegenwart herankommt. Zu betonen ist, daß vom römischen Standpunkt aus hier die Fragen angefaßt werden, die heute unser Volks- und Staatsleben beherrschen. Deshalb ist es durchaus denkbar, ja unausbleiblich, daß der deutsche Leser, auch der nordisch-völkisch gerichtete, im einzelnen eine andere Bewertung kultur- und geistesgeschichtlicher Tatsachen vornimmt als der Verfasser. Das gilt insbesondere für das, was er über den Protestantismus sagt. Drei Begriffe in diesem Buche sind es, die vor allem den deutschen Leser ansprechen und ihn zur Auseinandersetzung mit dem Denkgebäude Evolas anregen. Sie lauten: Gibellinentum, Nietzsche, Hierarchie. Gibellinentum als politische Bewegung ist das, was unsere Historiker bei ihrer Darstellung des staufischen Mittelalters hervorragend beschäftigt. Die Gestalt Nietzsches überschattet die Kulturphilosophie unserer Gegenwart in stärkerem Maße. Das Wort Hierarchie ist in den Reden führender Männer, auch des Führers Adolf Hitler, neuerdings verschiedentlich aufgetaucht in der Forderung einer neuen Führerhierarchie. Hier scheinen diese Namen im Rahmen einer kulturphilosophischen Kampfschrift, also einer Darstellung, die für die politische wie kulturpolitische Gestaltung der Zukunft Geltung gewinnen will, so für die Neuordnung Europas und das Problem Deutschland-Österreich-Italien. Es ist eine Frage, ob eine solche Idealkonstruktion, wie sie dies Buch enthält, überhaupt Wirklichkeitsgestalt annehmen kann. Ihr Wert liegt aber darin, daß sie Richtungspunkte aufzeigt, daß sie in dem Begriff „Heidnischer Imperialismus” eine Philosphie nicht nur des Seins, sondern auch des Sollens bietet.

An dem Begriff Heidentum werden sich viele stoßen. Ein bekannter evangelischer Theologe meinte vor kurzem, erst in unserer Zeit sei wieder Heidentum im wahren Sinne des Wortes als positives Heidentum entstanden, und man solle sich ernsthaft mit ihm beschäftigen. Daß es Heidentum gibt, das nicht nur, wie oft leichthin gesagt wird, von der Negation aller Werte lebt, beweist dieses Bucht von Evola. In dieser Hinsicht wird es manches zur Klärung beitragen können, jedenfalls aber die Größe der geistigen Auseinandersetzung, in der vor allem sich Deutschland befindet, Freund und Feind solcher Haltung, wie der hier dargebotenen, voll zum Bewußtsein bringen.