Biografie
Das Leben des Baron Giulio Cesare Andrea Evola steht im Zeichen der Tradition. Er beschwor das Wesen des Politischen auf geistiger Grundlage, gegen Chauvinismus und bougeoisen Nützlichkeitsmaterialismus. Als Vertreter des aristokratischen Prinzips und Befürworter einer auf dem sakralen gründenden elitären Haltung war er einer der schärsten Kritiker des italienischen Faschismus. Evola hat sich nie für Politik einnehmen lassen, sondern ohne Rücksicht auf die wechselnden Vorlieben Mussolinis seine Positionen vertreten.
Julius Evola – wie er sich nannte – wurde am 19. Mai 1898 in Rom geboren. Den ersten Weltkrieg verbrachte er als Artillerieoffizier an der Front. Anschließend beteiligt er sich an den avangardistischen Kulturbewegungen des Dadaismus und Futurismus. Eines seiner Bilder aus dieser Zeit hängt heute in der Nationalgallerie für moderne Kunst in Rom. Anfang der zwanziger Jahre wendet sich Evola jedoch von der Kunst ab und und beginnt ein Ingenieursstudium, welche er jedoch kurz vor Beendigung abbricht. Darauf widmet er sich der Philosophie. Ende 1926 bildet sich in Rom unter Mitwirkung und Leitung von Evola die “Gruppe von Ur”, die sich in magischen Übungen und Initiationsriten übt. In der Zeitschrift UR werden Aufsätze der Gruppe publiziert. Nach Zerfall der Gruppe im Jahre 1929 beschäftigt sich Evola mit den Grundlagen der Tradition und faßt seine Erkenntnisse in den Werken “Die hermetische Tradition” (1931), “Das Mysterium des Grals” (1937) und “Lo yoga della potenza” (1949) später zusammen. Die Schriften der Gruppe von Ur werden in der dreibändigen “Magie als Wissenschaft vom Ich” herausgegeben.
Er wurde streng katholisch erzogen, hat sich aber bereits in früher Jugend vom Katholizismus ab- und der heidnischen Antike zugewandt. Sehr großen Einfluss hat auf ihn Meister Eckhart ausgeübt, den er auf Deutsch las. Eine andere Einflussquelle ist der Taoismus. Evola hat das Hauptwerk Lao Tses, das Tao Te King, zweimal ins Italienische übersetzt. Für Evolas Haltung von besonderer Bedeutung ist der Tao-te-King-Passus “Wer andere erkennt, ist klug. Wer sich selbst erkennt, ist erleuchtet. Wer andere besiegt, ist stark. Wer sich selbst besiegt, ist Macht.” Demzufolge schreibt Evola in seinem Buch “Heidnischer Imperialismus”: “Die Überlegenheit beruht nicht auf der Macht, sondern die Macht auf der Überlegenheit.”. Evola geht grundsätzlich von einer Überlegenheit geistiger über materielle Kräfte aus.
Daraus ergibt sich auch die Haltung zum Faschismus. Evolas Haltung zum Faschismus war nicht unkritisch, aber er glaubte, dass eine Korrektur genügen müsste, um den Faschismus in seine Bahnen lenken zu können. Das Konkordat mit dem Vatikan lehnte er wegen seiner heidnischen Überzeugung ab. Heidentum, das bedeutete für Evola die Bezugnahme auf die Antike, von deren Ruinen er in Rom umgeben war. Für Evola war klar, dass die römische Antike die eigentliche große Zeit war und es seitdem nur einen kulturellen Abstieg gab. Evola ist damit einer der prominentesten Vertreters des Kulturpessimismus. Aus der heidnischen Grundlage heraus schrieb er 1929 von der aufbrechenden Gefahr, dass sich “Amerikanismus” und “Bolschewismus” die Welt aufteilen könnten. Dabei würde Europa verlieren und mit Europa meint er vor allem das Europa mit antikem Bezug.
Eines der berühmtesten Werke ist die “Revolte gegen die moderne Welt”, ein Werk, das unter anderem Gottfried Benn sehr beeindruckte. Das in erster Auflage 1934 erschienene Buch gilt als das Hauptwerk Evolas. Die gesamte Moderne lehnt Evola ab. Er vermißt das “Sakrale” der Antike. Er versteht sich als Tradionalist. Der demokratische Gedanke, dass die Macht eines Herrschers von den Untertanen käme, ist ihm völlig fremd. Das “Königtum” erwächst ihm nicht aus der Basis, sondern aus der aristokratischen Einstellung, aus dem Geist, aus der “Rasse” des Herrschers. So lehnt er nicht nur die Demokratien ab, die wir heute als solche verstehen, sondern auch alle anderen Theorien, die im Namen des Volks handeln, also auch Kommunismus und Nationalsozialismus. Die Französische Revolution und die aus ihr kommende Moderne erscheint im als Wurzel des Übels.
Ein wichtiger Begriff im Werk Evolas ist der der Rasse, der aber ganz anders zu verstehen ist als der des Nationalsozialismus. Den Biologismus lehnte Evola immer ab; für ihn bedeutet “Rasse” Kultur, Elite und Aristokratie. Insbesondere den Begründer der biologischen Rassenlehre, Houston Stewart Chamberlain, lehnte er mit scharfen Worten ab. Zwar ist eines seiner Werke über “Rasse” während des Dritten Reiches auch in deutsch erschienen, aber nur, weil Mussolini das Werk sehr förderte und sich damit von der nationalsozialistischen Rassenlehre absetzen wollte. Die “Grundrisse der faschistischen Rassenlehre” sollten denn auch als Kontraposition zur nationalsozialistischen Lehre verstanden werden. Der Titel des Werkes wurde von Mussolini vorgegeben; Evola hatte sein Buch ursprünglich “Rasse und Kultur” betitelt.
Bemerkenswert ist, dass Evola die Begriffe Volk und Nation ablehnte. Das Volk widersprach seiner aristokratischen Einstellung und die Nation lehnte er ab, weil sie aus der Französischen Revolution kam. Dies war auch einer der wewentlichen Punkte, die ihn vom modernistischen Flügel des Faschismus trennten. Zum Ende des Faschismus wurde sein Kritik auch lauter; Evola vernahm “bolschewistische” Tendenzen im Faschismus, die er verachtete.
Obwohl Evola die deutsche Sprache beherrschte und Deutschland von früher Jugend an bewunderte, hat er den Nationalsozialismus abgelehnt. Er war ihm zu modernistisch, die biologistische Ausrichtung war ihm zuwider, seine traditionalistischen Grundsätze sah er im Dritten Reich als verloren an. Gleichwohl sah er in den Überlegungen Heinrich Himmlers, einen Ordensstaat der SS einzurichten, etwas Bewundernswertes. Aber ausgerechnet von dieser SS wurde er überwacht und nach Möglichkeit behindert. Sie sah ihn als “reaktionären Römer” an. Nach einer Vortragsreise durch Deutschland wurden weitere Vorträge Evolas unterbunden. Gleichwohl hatte Himmler Evola gerne gelesen und seiner Umgebung die Lektüre Evolas angeordnet. Himmler war vor allem von den esoterischen Zügen Evolas und dessen asiatischen Bezügen angetan.
Im April 1951 wird Evola wegen “Verherrlichung des Faschismus” und wegen Bildung einer faschistischen Verschwörung verhaftet. In einem aufsehenerregenden Prozeß wird er allerdings wegen erwiesener Unschuld freigesprochen. Die Verschwörung existierte nur in den Köpfen einiger Polizisten, die unverstandene Textpassagen Evolas in ihrem Sinne auslegten.
Der sogenannten Studentenbewegung, die mit dem Jahr 1968 verknüpft ist, stimmte Evola zu. Evola galt als eine Art rechter Anarchist und insbesondere sein Buch “Cavalcare la tigre” (“Den Tiger reiten”) wurde an den Universitäten der Umbruchzeit gelesen. Insbesondere die Wendung gegen den “Konsumterror” entsprach den Ideen und Gedanken Evolas, jedoch kritisierte er die Oberflächlichkeit der 68er. Von kommunistischen Universitätsprofessoren wie Massimo Cacciari wurden Parallelen zwischen Evola und Herbert Marcuse festgestellt. Gleichwohl beharrte Evola darauf, dass er in seiner Ablehnung der Konsumgesellschaft “viel tiefer” gegangen sei.1
Am 11. Juni 1974 stirbt Julius Evola in Rom “stehend”.
Biografische Texte und Zeugnisse:
- Der Text der Biographie wurde im wesentlichen der Wikipedia entnommen. [↩]
