Raserei des Fortschritts
- Von Julius Evola
Wie ein Brand, den man auf mehreren Seiten gelegt hat, bis alles in Flammen aufgeht wütet die Wirtschaft im inneren Wesenskern des Menschen mit der von ihm geschaffenen Kultur. Und die entsprechende Kultur hat, ausgehend von den abendländischen Brutstätten, die Ansteckung in alle noch gesunden Länder getragen und mitten in alle Gesellschaftsschichten und alle Völker die Unruhe, die Unzufriedenheit, den Unwillen und die Unfähigkeit gebracht, sich im Rahmen der Einfachheit, der Unabhängigkeit und des Maßhaltens selbst zu gehören, wozu noch die Notwendigkeit kam, immer weiter und immer schneller vorwärts zu rennen. Sie hat den Menschen immer weiter getrieben, in ihm das Bedürfnis nach immer mehr Dingen geweckt und ihn dadurch immer unzulänglicher und ohnmächtiger gemacht. Jede neue Erfindung, jede neue technische Spielerei bildet statt eines Sieges eine neue Niederlage, einen neuen Peitschenhieb für ein noch schnelleres und noch wilderes Rasen; dazu gesellt sich ein ganzes System von Einschränkungen, die sich immer schwerwiegender und unheilbarer gestalten, aber am Ende trotzdem nicht als solche empfunden werden. Und so treffen die verschiedenen Wege zusammen: die mechanistische Kultur, die über alles herrschende Wirtschaft und die Kultur der Produktion und des Verbrauchs bahnen die Straße für die Lobpreisung des Werdens, des Fortschritts und des grenzenlosen Lebensdranges, oder kurz gesagt: für die Erscheingung des ‘Dämonischen’ in der modernen Welt.
